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Das neue Day One

7. August 2012 | von Julia | iPad, iPhone, MacApps

Nichts ist frustrierender als im Update-Text einer App die lapidare Zeile “Bug-Fixes” zu lesen – ich warte immer gespannt auf lange Listen von Änderungen und neuen Funktionen. Als auf einmal Day One in der Update-Liste auftauchte – zeitgleich die iPhone, iPad und Mac App – und ich las, was an neuen Funktionen hinzugekommen ist, konnte ich mir einen Freudensprung nicht verkneifen.

Ein digitaler Schuhkarton an Erinnerungen

Laut einiger Statistiken sind die meisten Leser hier bei AppForThat zwischen 30–45 Jahren alt. Ihr werdet es noch kennen – die Zeit vor Smartphones und digitalen Kameras. Wie man händisch und mit Stift ein Papierjournal führt; wie man mit richtigem Film fotografiert und dann gespannt tagelang auf die Resultate warten muss.

Diese Erinnerungen – sowohl die Bilder als auch die Texte, die man schrieb – geben einem Einblick in die Vergangenheit, in die Moment, die man in der schnelllebigen Gegenwart schnell vergisst oder aus den Augen verliert. Denn meiner Meinung nach sind es zum Schluss die kleinen Momente, die Augenblicke, die unser Leben lebenswert machen.

Bisher bot Day One nur “eingeschränkte” Optionen, diese Momente festzuhalten. Die App war auf Texteinträge reduziert, die dem einen gelegen kamen, aber dem anderen vielleicht zu wenig boten. Nicht immer hat man Lust und Zeit, etwas detailliert niederzuschreiben (wobei man sich vielleicht die Zeit einfach nehmen sollte); viel schneller geht es, einen Schnappschuss zu machen und den einfach mit ein, zwei Zeilen zu ergänzen.

Day One bietet seit dem letzten Upgrade nun genau diese Möglichkeit: Das Einbinden von Bildern.

Ab sofort erlaubt Day One die Einbindung von Fotos

Ab sofort erlaubt Day One die Einbindung von Fotos

Aus meiner Sicht ist das eine wesentliche Bereicherung der App. Ich habe sie bisher für kleinere Notizen genommen bzw. für eine Sammelstelle von Gedanken, wenn mir zu einer der Geschichten, die ich nebenbei schreibe, eine neue Idee gekommen ist. Mit der Integration von Bildern eröffnet sich eine ganz neue Dimension der Nutzung.

Das die Bildintegration ein wichtiger Bestandteil ist, wird bereits im Einstiegs-Screen deutlich: Hier ist das Kamera-Icon direkt neben dem Plus-Icon für Text angesiedelt, also auf gleicher Ebene.

Fotos können direkt aus dem Startscreen gemacht oder eingefügt werden.

Fotos können direkt aus dem Startscreen gemacht oder eingefügt werden.

Ihr habt die Möglichkeiten, Bilder aus euren Aufnahmen auszuwählen, eins aus der App heraus zu schießen oder – wenn ihr Camera+ installiert habt – via dieser App zu arbeiten. Wählt ihr ein Bild aus den Aufnahmen aus, fragt euch Day One sofort, ob ihr das Datum und die Uhrzeit eures Eintrages an das Aufnahmedatum des Fotos anpassen wollt.

Day One erkennt die Zeit und die GPS Informationen eures Fotos (sofern vorhanden)

Day One erkennt die Zeit und die GPS Informationen eures Fotos (sofern vorhanden)

Ich war von dieser Funktion völlig überrascht und total begeistert: Endlich muss ich mich nicht mehr daran erinnern wann ich ein Foto geschossen habe und dann in Day One den entsprechenden Tag suchen, sondern die App erledigt das für mich ganz automatisch. Ist ein Bild eingefügt, könnt ihr es nachträglich übrigens auch noch mit Camera+ bearbeiten (zuschneiden, mit Filtern oder Rahmen versehen etc.).

DayOne bietet jetzt auch GPS Informationen für Einträge und historische Wetterdaten

DayOne bietet jetzt auch GPS Informationen für Einträge und historische Wetterdaten

Damit hört der Zauber aber noch nicht auf: Zu den neuen Funktionen in Day One zählt auch, dass die App basierend auf dem Datum eine Wetterabfrage startet und somit die für diesen Moment aktuellen Bedingungen in eurem Eintrag mit hinterlegen kann! Sind in einem Foto, welches ihr einfügt, GPS Daten vorhanden, kann Day One auch diese nutzen, um das passende Wetter für diesen Ort abzufragen. Soweit ich mich bisher belesen habe, werden dazu historische Wetterdaten genommen (für vergangene Tage), die aber maximal drei Tage in die Vergangenheit reichen.

So sieht ein kompletter Eintrag auf dem iPhone aus

So sieht ein kompletter Eintrag auf dem iPhone aus

Als ob das noch nicht genug wäre, kann Day One auch eure Position bestimmen (wenn ihr es erlaubt; ist für die Wetterabfrage logischerweise zwingend nötig) und so auch diese Informationen an einen Eintrag anhängen.

Wichtig: Day One ist nicht mit einem sozialen Netzwerk verbunden. Alle Daten, die ihr hier hinterlegt, sind eure Daten. Sie werden mit niemandem geteilt, auf keinem fremden Server gespeichert und nicht weiter gegeben.

Wer von euch begeisterter Fourquare User ist, wird sich über die Anbindung freuen – darüber könnt ihr Day One dann noch genauer sagen, wo ihr seid.

Auf dem iPhone und iPad wurden auch die Ansichten verbessert: Fotos sind jetzt direkt in die Liste der Einträge integriert und es gibt einen extra Reiter namens Fotos, der eure Bilder in einem wunderschönen Mosaik anzeigt, komplett mit Datum und Uhrzeit.

Links: Reine Fotoansicht // Rechts: Timeline mit integrierten Fotos

Links: Reine Fotoansicht // Rechts: Timeline mit integrierten Fotos

Neu hinzugekommen sind auch Editieroptionen, die ihr mit einem horizontalen Wisch über einen Eintrag in der Timeline aufrufen könnt. Hier könnt ihr einen Eintrag favorisieren, sein Datum ändern, ihn bearbeiten, löschen oder teilen.

Mit einem Wisch über einen Eintrag stehen mehr Optionen zur Verfügung

Mit einem Wisch über einen Eintrag stehen mehr Optionen zur Verfügung

Für die Anspruchsvollen: Markdown geht noch besser

Wer relativ viel mit Day One arbeitet – unabhängig für welchen Zwecke – wird sich über die verbesserte Integration von Markdown freuen. Bisher hat Day One diese Formatierungssprache ja schon sehr gut unterstützt; jetzt gibt es aber eine wesentlich einfachere Methode dafür: Über dem Keyboard der App wird eine zusätzliche, ganz dezente Optionsleiste eingeblendet. Die kleinen Punkte signalisieren, dass ihr mit Wischgesten nach rechts oder links zu weiteren Buttons gelangen könnt. Und eine dieser Varianten bietet euch Markdown Formatierungen, fertig zum Anklicken.

Jetzt stehen viele Markdown Formatierungen als Button zur Verfügung

Jetzt stehen viele Markdown Formatierungen als Button zur Verfügung

Anstatt nun immer von Hand alle Formatierungen vorzunehmen oder vielleicht erst googlen zu müssen, wie man eine Liste macht oder kursiven Text könnt ihr mit einem Fingertap schnell einfügen.

Wie bei den meisten Markdown Editoren werdet ihr auch bei Day One im Schreibfenster selbst die Formatierung nicht sehen sondern nur die dazu genutzten Zeichen. Nachdem ihr euren Eintrag aber abgespeichert habt, wird dieser fertig formatiert angezeigt.

Warum nicht Path, Instagram oder Facebook?

Ich weiß nicht, wie ihr es haltet, aber ich sehe die zunehmende Verbreitung privater Informationen in der Öffentlichkeit skeptisch. Gerade wenn es um private Momente geht – eine Familienfeier oder eine Party mit Freunden – muss das nicht die ganze Welt wissen. Bekannte Netzwerke, via derer man solche Momente festhalten und teilen kann, sind Path, Instagram und Facebook. Letzteres fällt für so etwas bei mir sowieso aus. Selbst wenn man seine Posts nur bestimmten Gruppen zugänglich macht (und erschreckend viele Nutzer wissen von dieser Option nichts), weiß man nie, wohin die Daten gelangen, da Facebook ja gerne mal spontan die Bestimmungen ändert.

Instagram ist ein angenehmes Tool, um Bilder zu teilen, aber auch hier liegt die Betonung auf Teilen. Alles, was ihr mit der App fotografiert, landet auf den Instagram Servern. Natürlich könnt ihr euren Fotostream auch auf privat stellen, aber das ändert nichts daran, dass eure Bilder nicht mehr nur bei euch liegen sondern auch anderswo.

Eine Alternative stellte eine Weile lang Path dar, aber auch hier besteht das Problem der geteilten Daten, denn selbst wenn ihr bestimmte Personen zu eurem Stream einladen müsst, so liegen die Daten auf den Servern des Anbieters. Und wie sich zeigte, griff die App auch eine Weile ungefragt auf Adressbuchdaten zu.

Während also alle diese Services und Apps ihre Berechtigung für einen bestimmten Zweck haben, bietet euch hier nur Day One die Möglichkeit, eure Daten für euch zu behalten.

Fazit

Ich bin seit dem Erscheinen von Day One begeisterter Nutzer der App auf allen Plattformen. Ich hätte sie gerne mehr genutzt – nicht nur für meine privaten Schreibgeschichten – aber mir hat dazu dann irgendwie zu sehr das “Mehr” gefehlt. Text war für meine Zwecke ausreichend, aber für eine wahre Tagebuch-App dann doch nicht genug.

Mit der Möglichkeit, Bilder einzubinden, dreht sich das Blatt. Vor allem, weil diese Moment privat bleiben – ich teile sie mit niemanden, poste sie nicht in das WWW und kann so euch das festhalten, was ich sonst eher für mich behalten würde. Natürlich muss dabei gesagt werden, dass der iCloud bzw. Dropbox Sync zwischen den Geräten (der übrigens ganz hervorragend funktioniert) eine Schwachstelle sein kann, was die Sicherheit betrifft, aber diese Option muss man ja nicht nutzen.

Ich bin von dem Update begeistert und empfehle allen, die Day One bisher nur eingeschränkt oder gar nicht genutzt haben, einen Blick auf diese App zu werfen. Sie ist wunderschön designed, durchdacht programmiert und bietet euch die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Momente festzuhalten, an denen ihr noch Jahre später Freude haben werdet.

Auch wenn Tags und die Suche in diesem Update noch nicht enthalten sind, wie auch kein PDF oder HTML Export, so stehen die Entwickler doch zu ihrem Produkt und arbeiten konstant daran, es zu verbessern und neue Funktionen hinzu zu fügen. Das gibt mir die Hoffnung, dass wir zukünftig auch die Möglichkeit bekommen werden, die Daten in anschaulicher Form aus der App heraus zu exportieren und anderweitig zu sichern.

Rating: ★★★★½ 

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DayOne

10 Kommentare auf “Das neue Day One”

  1. Harald Gaerttner sagt:
    7. August 2012 um 09:15

    Also die App sieht spannend aus aber ich habe genau das umgekehrte Problem das Du beschreibst. Ich teile viel … nicht alles, aber eben viel. Sicher gibt es genug das privat bleiben kann/soll aber letztlich ist es dann halt auch wieder ein “unvollständiges” Journal. Und die Sachen die man teilt auch noch hier pflegen ist doppelte Arbeit die man sich auch nicht machen will.

    Würd mich mal interessieren wie andere “Vielteiler” ;-) das lösen.

    • stargoose sagt:
      7. August 2012 um 09:40

      Dann schau dir mal momento fürs iPhone an. Auch sehr schön umgesetzt und integriert Deine externen Dienste. http://momentoapp.com/

      • Julia sagt:
        7. August 2012 um 09:43

        Momento habe ich hier ebenfalls schon einmal vorgestellt gehabt:
        http://www.appforthat.de/2010/iphone/momento-tagebuch-2-0

        Aber die App gibt es auch nur für das iPhone, es gibt keine Möglichkeit, vom iPad oder Mac aus Einträge zu verfassen, was ich für einen großen Nachteil halte.

        • stargoose sagt:
          7. August 2012 um 11:06

          Das seh ich auch so. Verwende auch nur noch Day One. Passte aber zum Wunsch des Sammelns von “Momenten” an einer Stelle.

  2. Mathias sagt:
    7. August 2012 um 10:23

    Hallo Julia,

    sehr schöner Artikel! Du stellst nicht nur diese wunderschöne App vor, sondern streifst auch die Themen, die mir bei Social Media immer Bauchschmerzen machen.
    Ich habe mich gerade durch deinen Artikel dazu entschlossen die App zu kaufen und zu probieren. Was soll ich sagen? Ich habe sofort eine Usecase für diese App gefunden. Ich hatte da bisher immer bedenken. :-)
    Meine Timeline findet ab jetzt nur noch in dieser App statt. Was ich mit der Welt teilen möchte teile ich über die eingebaute Twittermöglichkeit. Und mein Twitteraccount ist mit meinem Facebookaccount verknüpft, so kommen die Posts auch da rein.
    Für die Zukunft wäre es vielleicht gut, wenn man auch gleich zu Facebook teilen könnte, für Posts die nur bei Facebook erscheinen sollen und nicht bei Twitter.

    Du schreibst, dass die Daten nicht auf einem fremden Server gespeichert werden. Wie syncst du dann? Die App bietet ja die Möglichkeit über iCloud oder Dropbox zu syncen. Oder syncst du gar nicht?

    • Julia sagt:
      7. August 2012 um 10:27

      Deine Frage habe ich im 2. Absatz des Fazits beantwortet. Der Cloud-Sync – egal ob über DB oder iCloud – ist immer eine Schwachstelle. Ich nutze iCloud.

      • Mathias sagt:
        7. August 2012 um 10:36

        OK, Schande über mich, dass ich das überlesen habe!

  3. Jürgen sagt:
    7. August 2012 um 22:45

    So eine schöne App!!

  4. Jürgen sagt:
    8. August 2012 um 17:11

    Lesenswerter und informativer Artikel zu einer tollen App!

  5. Pia sagt:
    25. September 2012 um 14:30

    Danke für den Artikel. Ich habe mir die App gekauft und finde sie wunderschön, sie ist; wie Du treffend schriebst, mein ganz eigener ungeteilter “Schuhkarton”!

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