Die Nachricht, dass Steve Jobs sich aus der aktiven Leitung des Apple Konzerns zurückzieht, ist noch keine 24 Stunden alt. Dennoch überschlägt sich die internationale Presse und die Blogosphäre mit Artikel und Meinungen – einige das übliche sensationsheischende “Apple ist am Ende” und andere nachdenklich & gut verargumentiert.
Von dieser zweiten Klasse von Beiträgen möchte ich euch hier einen kurzen Abriss bieten.
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New York Times BITS: “Apple besteht aus mehr als nur einer Person”
In einem kurzen, analytischen Abriss stellt der Blogbeitrag der NYTimes dar, warum Steve Jobs zurückgetreten ist und führt es auf die gesundheitlichen Probleme zurück, die den ehemaligen CEO plagen.
Michael Gartenberg, Forschungsdirektor von Gartner, wies in einer Email jedoch darauf hin, dass
…es wichtig ist, sich daran zu erinnern, dass Apple aus mehr als nur einer Person besteht, selbst wenn diese Person Steve Jobs ist.
Damit kann ich persönlich nur übereinstimmen, auch wenn ich dem Argument der NYTimes, dass Apple nun nicht mehr diesen großartigen Entscheider am Ruder hat dessen Geschmack so oft den Nerv der Konsumenten traf, seine Gültigkeit nicht absprechen kann.
NYTimes: JObs steps down from Chief Ececutive Post at Apple
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NYTimes Technology: Außergewöhnliche Risikofreudigkeit
In einem sehr detaillierten Artikel beleuchtet die NYTimes, warum Apple mit Steve Jobs an der Spitze einen solch phänomenalen Erfolg erzielen konnte.
Zitiert Alan Deutschman, der eine Biographie über Jobs schrieb:
Das Herausragende an Steve Jobs ist nicht sein Genius oder sein Charismas, sondern seine außergewöhnliche Bereitschaft, Risiken einzugehen.
Deutschman weist weiterhin darauf hin, dass diese Bereitschaft in der Unternehmenskultur Amerikas kaum noch vorhanden ist. Er hebt auch hervor, dass Steve Jobs komplett auf das Testen seiner Produkte verzichtet – am Ende sei es immer seine eigene Entscheidung, nach seinem eigenen Geschmack und Bauchgefühl gewesen, die ein Produkt auf den Markt brachte oder untergehen ließ.
Wieder und wieder hat Mr. Jobs darauf gesetzt, dass er wisse, was der Kunde kaufen möchte. Und wieder und wieder hat er richtig gelegen.
Der Artikel ergibt sich aber nicht nur in Lobhudelei, sondern lässt auch kritische Stimmen zu Wort kommen, gerade wenn es um die Nachfolge – in Person von Tim Cook – und der Auswirkung von Steve’s Rückzug auf die internen Prozesse geht.
Charles Golvin, ein Analyst von Forrester Research, meldet Zweifel daran an, insbesondere wenn es darum, dass Jobs sich finale Entscheidungen immer selbst vorbehalten hat und dass er sein Team komplett auf seine Person als Dreh- und Angelpunkt ausgerichtet hatte.
Ich denke, die Schlüssefrage ist, ob Apple als Teams weiterhin so effektiv arbeiten kann – ohne die einzelne Person, auf die man sich für die finale Entscheidung verlassen konnte.
NYTimes: Jobs steps down at Apple, says he can’t meet duties
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NYTimes Meinung: Steve Jobs, der Dirigent
In diesem Artikel geht die NYTimes der Meinung nach, dass Apple es ohne seinen größten Designer zukünftig schwer haben wird. Ihm wird angerechnet, dass er für sein kreatives Team eine wundervolle Umgebung geschaffen hat, in der es sich voll entfalten konnte.
Sei Steve Jobs vor seinem Weggang 1985 noch jemand gewesen, der seine Hände überall drin hatte und an allen Details herumschraubte, so sei er nach seiner Rückkehr 1998 ruhiger gewesen und hätte mehr auf sein exzellentes Team gehört.
Michael Hawley, ein professioneller Klavierspieler und Computerwissenschaftler, welcher für Jobs gearbeitet hat, verglich seine Rolle mit einem
…ungewöhnlich begabten und brillanten Orchesterdirigenten.
David B. Yoffee, ein Professor der Harvard Business School, betont, dass man kurzfristig keine Änderungen bei Apple wahrnehmen wird. Deren Business Plan und Produktentwicklung, so sagt er, sei bereits 2-3 Jahre im Voraus durchgeplant. So sei alles, was wir in der nächsten Zeit sehen werden, noch durch Steve’s Hände gegangen.
Die wirkliche Herausforderung für Apple wird sein, was nach dieser Zeit geschieht. Apple braucht einen neuen Visionär mit einer neuen Art das Geschäft für die Zukunft zu beleben und zu managen.
Dies belegt der Autor des Artikels mit Anekdoten: so ließ Jobs zwei frühe Prototypen des iPhones nicht zu, erst der dritte traf seinen Geschmack und wurde für den Markt entwickelt. Seine Entscheidungen waren so auf Instinkt basiert, dass Steve auf die Frage eines Reporters, wie viel Marktstudien in die Entwicklung des iPads geflossen sind, antwortete:
Keine. Es ist nicht auf Aufgabe des Konsumenten zu wissen, was er will.
NYTimes: Without its Master of Design, Apple will face many challenges
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Macworld: Die Leidenschaft des Steve Jobs
In zwei Artikeln, die den Werdegang von Steve Jobs im Detail aufarbeiten, betrachten die Autoren den Apple Konzern von seiner Gründung über das Ausscheiden und die Rückkehr von Steve bis hin zum heutigen Tag.
Beide Artikel – einer konzentriert such auf die Intensität, mit der Steve seinen Aufgaben nachging und der andere zeigt auf, warum Apple ohne Steve sehr wohl weiter erfolgreich sein kann – kommen zu dem gleichen Schluss: Apple ist nicht nur Steve Jobs, auch wenn dieser mit seiner Leidenschaft nicht nur einen Konzern, sondern eine Philosophie geschaffen hat, die in der Technikwelt ihres Gleichen sucht.
Und das sind nicht die Worte von selbstverliebten Apple-Geeks, es ist eine Tatsache:
Viele der Ikonen, welche unter seiner [Steve's] Führung entstanden sind, sind zum Modell für alles andere geworden. Sie haben eine Nachfrage nach hoher Qualität, gutem Design und User-orientierten Produkten geschaffen. Deswegen, wenn wir an Smartphones denken, denken wir an das iPhone; wenn wir an ein Tablet denken, denken wir an das iPad; wenn wir an Einfachheit in der Nutzung denken, denken wir an Mac OS X; wenn wir an digitale Musik denken, denken wir an den iPod und an iTunes; und wenn wir an Familienfilme denken, dann kommt uns zuerst Toy Story und der ganze Rest in den Sinn.
Steve Jobs’s fierce life and legacy
Life after Jobs: Why Apple isn’t doomed
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DaringFireball: Resigned
Hier kann ich nicht mal den einen oder anderen Satz zitieren, da der gesamte Artikel einfach nur fantastisch ist. Kurz und präzise zusammengefasst, mit einem Einfluss persönlicher Meinung, bringt er die aktuelle Situation auf den Punkt.
Absolut lesenswert – wenn Bedarf besteht, übersetze ich ihn euch auch gerne im Laufe des morgigen Tages.
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Reaktion des Wall Street Journal
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Ja – aber er hätte auch nichts daran ändern können wenn er schon früher aus Apple ausgestiegen wäre. Bei zu spät entdecktem Krebs (Ausnahme Lymphdrüsenkrebs und einigen weißen Hautkrebsarten) ist meistens nichts mehr zu machen – und gerade bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie bei Steve Jobs, sieht es ganz schlecht aus.
Auch der Sohn von Burda (der ist immerhin Milliardär) ist vor einigen Jahren im Alter von 33 an Darmkrebs gestorben.
Da ist die Medizin, wenn man es zu spät entdeckt, heute leider immer noch machtlos – egal wie reich man ist.
Man kann soviel Geld haben wie man will.. Irgendwann erwischt es jeden.